3 Designer – 3 Reaktionen auf potenzielle Aufträge

Ich benötige derzeit ein Logo. Eine Kollegin aus dem Gemeinschaftsbüro nannte einmal ihren Preis: 780 €.

Ich weiß, dass ein Logo so viel wert sein kann. Dennoch war er mir am Anfang zu hoch. Also behielt ich ihn im Hinterkopf.

In der Folge schrieb ich mehrere Designer an und fragte nach deren Preisen. Anhand der Reaktionen möchte ich einmal zeigen, wie unterschiedlcih Designer vorgehen.

Designer #1

Den ersten Designer schrieb ich über Facebook an. Das schöne an Facebook ist, du weißt immer, ob deine Nachricht gelesen wurde oder nicht. Daher schreibe ich gerne über Facebook.

Dieser Designer sah meine Nachricht und reagierte zunächst einmal nicht. Das ist ein Fehler! Vor allem deshalb, weil dein Gegenüber jetzt weiß, dass du die Anfrage erhalten hast.

Unbewusst rutscht dieser Designer bei dir im Kopf automatisch in die Schublade: Offensichtlich kein Interesse.

Mal abgesehen davon, dass ein Designer ungefähr einen Preis jederzeit angeben können sollte, hätte man sich mit einem Zwischenbescheid um etwas Zeit bitten können.

Ein paar Tage später erfolgte dann die Reaktion. Auf meine invitatio ad offerendum (Angebot abgeben) erfolgte eine eigene Invatio. Das ist der Fehler #2.

Wenn der Kunde von dir ein Angebot möchte, dann musst du auch ein Angebot liefern. Hier ist es die Kunst, sein Gegenüber gut zu analysieren. Was will er eigentlich? Womit stelle ich ihn zufrieden?

Exkurs: Zwei HNO-Ärzte

Wir unterhielten uns gestern über zwei HNO-Ärzte. Der eine verschreibt Antibiotika, wann immer es der Patient will, der andere nicht einmal, wenn der Hals eitert. Beide halten ihr Vorgehen für richtig.

Der erste Arzt denkt kundenorientiert und ökonomisch. Er schätzt das Bedürfnis des Patienten richtig ein, indem er ihn evtl. ausfragt. Er weiß: Wenn ich dem die Antibiotika nicht verschreibe (auf die er sich fixiert hat), dann geht der zu einem anderen. Die Folge: Wirtschaftlicher Schaden für mich und eventuell ein Kunde weniger.

Der zweite Arzt geht ich-bezogen und idealistisch an die Sache heran. Antibiotika sind nicht gut, denkt er sich. Er rühmt sich damit, dass er der Krankenkasse Geld gespart hat. Er erkennt jedoch den Bedarf des Patienten nicht und verliert somit einen weiteren Patienten.

Zurück zu Designer #1

Als ich gebeten wurde, selbst eine Invitatio abzugeben, erinnerte ich mich daran, dass Freunde von mir damals (vor 5-6 Jahren) 99 € für ein Logo forderten und das auch sonst recht viele ähnliche Angebote im Netz gab.

Zugegeben, mein Wissen war ein wenig verstaubt. Dennoch kommunizierte ich es so.

Mein Angebot kam wohl eher als Majestätsbeleidigung an. Das Gefühl hatte ich wiederum. Am Ende hieß es, dass Logoarbeiten erst ab 500 € aufwärts beginnen.

Designer #2

Ich hatte nach der ersten gedanklichen Einordnung des 1. Designers gleich begonnen, weitere Designer zu kontaktieren.

So durchforstete ich Xing nach potenziellen Designern und schrieb zwei von ihnen an.

Die erste reagierte bis jetzt gar nicht, die zweite schrieb, dass sie beim Kunden sei und sich später melden würde.

Das ist der Zwischenbescheid, von dem ich gerade sprach. Auch wenn ich der Meinung bin, dass ein Designer eine ungefähre Preisangabe für Standard-Bildmarken mit Farbe geben können sollten, gab ich mich mit der Antwort zufrieden.

Die Aufgabe dieser Designerin wäre es nun gewesen, mir alsbald ein Angebot zu schicken. Heute – drei Tage später – liegt immer noch kein Angebot vor.

Die gedankliche Einordnung in die Schublade „kein Interesse“ hat sich bei dieser Designerin dank des Zwischenbescheides also nur etwas hinausgeschoben. Gelandet ist sie dort dennoch.

„Die ist satt!“ ist dann nur noch der Kommentar.

Designer #3

Den dritten Designer schätzte ich als den schwächsten unter den drei Designern an. Zu dem Eindruck kam ich nach dem Blick auf sein eigenes Firmenlogo.

Sein Fehler ist, dass er sich als Designer ausgibt, jedoch offensichtlich nicht viel wert auf sein eigenes Logo legte. Dazu muss ich sagen, dass er nicht nur Designer, sondern auch Programmierer ist.

Auf meine E-Mail reagierte er sofort und gab einen Preis von 200 € zzgl. MwSt. an. Mir gefiel seine Schnelligkeit. Auch der Preis war durchaus gut.

Er versuchte mich gleich zu einem Gespräch auf Skype zu locken. Ich danke jedoch freundlich und nahm das Angebot nicht an.

Was mich von einer Beauftragung abhielt, war die Qualität seines eigenen Logos. Bei diesem Designer erkannte man jedoch, dass er nicht nur „Design“ beherrscht, sondern auch das Geschäft.

Beurteilung

Vielen Designern fehlt das Geschäftsverständnis. Wie wir an den ersten beiden sehen konnten, verlieren sie deshalb nicht nur eine Logobeauftragung, sondern auch potenzielle Folgeaufträge.

Denn mit einem Logo ist es bei mir nicht getan. Es badarf weiterer Designs im Rahmen des Corporate Designs wie Briefpapiere, Visitenkarten etc. und natürlich auch einem Webdesign.

Ich bin zu Beginn meiner Tätigkeit als Freiberufler Kunden auch großzügig entgegen gekommen. Habe alles stehen und liegen lassen, wenn eine E-Mail von ihnen ankam.

Ziel war es dabei nicht, den Kunden nur zufriedenzustellen, sondern ihn zu begeistern. Oft kamen Reaktionen wie „Wow, Sie sind aber schnell!“.

Die Kunden haben es mir mit Folgeaufträgen gedankt. Vielleicht nicht, weil ich das beste Angebot hatte. Aber weil ich schnell und auf die Bedürfnisse der Kunden eingegangen bin.

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