ALGEL: Investieren in den neuen Einkaufsservice?

Gestern erfuhr ich von einem neuen Start-Up. Es heißt ALGEL. Komischer Name dachte ich, bis ich den Namen auf Türkisch aussprach. Dann machte er Sinn. Denn „al-gel“ bedeutet etwa „hol’s her“ oder „kauf und bring’s her“. Der abkürzungsfreundige Brite würde daraus gleich „buy’n deliver“ machen.

Das Konzept hinter ALGEL

Der Einkaufsservice von ALGEL funktioniert wie folgt:

  1. Der Besteller zückt sein Smartphone hervor, sucht sich Produkte bei einem beliebigen Supermarkt aus und schickt die Bestellung heraus.
  2. Ein Schüler, Student oder Rentner sieht nun diese Bestellung und erklärt sich bereit, diesen Einkauf für einen zu tätigen. Hierfür bekommt er eine Entlohnung. Im Schnitt 3,50 € pro Einkauf. Dieser Wert hängt jedoch vom Gewicht der Einkäufe ab.
  3. Nach erfolgtem Einkauf liefert er den Einkauf ab. Der Kassenbon soll dabei abfotografiert werden.

Eigentlich ist ALGEL genau das, worauf ich seit meiner Zeit in Spanien warte. Mehr sogar, es übertrifft meine Erwartungen. Dort musste ich nämlich noch selbst zum Supermarkt. Meine Einkäufe wurden mir dann spät abends geliefert.

In Deutschland haben sich bislang einige Start-Ups die Zähne an der Lebensmittel-Lieferung ausgebissen. Vor zwei Jahren ist z.B. froodies insolvent gegangen. Den Gründer hatte ich persönlich in Dortmund kennengelernt.

Warum hat ALGEL eine Chance?

Das Konzept von ALGEL hat eventuell eine Chance, weil es nicht auf eine Lieferung von einem einzigen Supermarkt abhängig ist. Diesen Service anzubieten, war für Supermärkte recht unwirtschaftlich.

Anders könnte es jedoch aussehen, wenn Schüler, Studenten, Rentner oder Menschen mit Freizeit mitmachen und sich so einen Nebenverdienst erwirtschaften wollen. Bei regelmäßigen Einkäufen geht das Start-UP von bis zu 500 € Verdienstmöglichkeit pro Monat. Die Bezahlung des Einkaufs läuft über ALGEL, der eine Provision von 12% laut eigenen Angaben draufschlägt. Das Unternehmen zahlt auch wohl letztendlich den Einkäufer aus.

Wenn Einkäufer eh zum Supermarkt wollen, dann können sie auch gleichzeitig die Einkäufe für andere machen. So denkt zumindest das Start-Up. Ich frage mich, ob es tatsächlich so eine Bereitschaft gibt. Und dann ist die Frage, ob man den Umweg zum Besteller machen will. Ich fände es jedoch toll, wenn mein Nachbar für mich gleich mit einkaufen würde.

Interessanter Finanzierungsansatz des Vorhabens

Jedes junge Unternehmen braucht am Anfang Geld. Geld für die Programmierung, für das Marketing, für den Vertrieb. Leider hat es das Start-Up nicht geschafft, Crowdfunding-Plattformen von der Idee zu überzeugen. Das war aber kein Grund, gleich aufzugeben. ALGEL hat mit Supercrowd gleich eine eigene Crowdfunding-Plattform aufgesetzt. Eigentlich hätte man es auch über indiegogo.com versuchen können.

Bisher sind zwar nur 2.000 von den gewünschten 25.000 € zusammen, die Macher scheinen aber zuversichtlich, dass es noch klappt. Wer das Unternehmen unterstützen will, kauft Anteile. Für 5 € gibt es „einen Anteil“ am Unternehmen.

Wer hier eine Beteiligung am Unternehmen wittert, sollte vorsichtig sein. Denn mit dem Anteil gewährt man dem Unternehmen nur ein Darlehen auf Zeit, das mit 1% pro Jahr verzinst wird. Das ist nicht ungewöhnlich; so machen es auch andere (größere) Crowdfunding-Plattformen wie seedmatch mittlerweile.

Konkret gibt man dem Start-Up beispielsweise bei einem Kauf von 50 Anteilen 250 € als Darlehen bis 2022. Bis dahin partizipiert man am Gewinn- und am Unternehmenswert. Wenn man bedenkt, dass Start-Ups eh eine Zeit brauchen, bis Gewinne abfallen, kann man getrost die ersten vier Jahre streichen. Nach Ablauf der Zeit ist der Darlehensvertrag abgelaufen und wird unternehensseitig gekündigt.

Warum das Investment für mich nicht so interessant ist

Wie in meinem letzten Artikel geschrieben habe, investiere ich auch in junge Unternehmen. Ich hatte zunächst auch an eine Investition in ALGEL nachgedacht, dann aber doch davon Abstand genommen. Der Grund ist das verzinste Nachrangdarlehen. Nicht nur, dass das Zahlen von Zinsen für Muslime untersagt ist, ich möchte auch sonst nicht in ein Unternehmen investieren, dass mit Zinsen zu tun hat.

Für alle anderen könnte sich das Investment lohnen, wenn ALGEL tatsächlich innerhalb der nächsten acht Jahre Erfolge aufweisen kann, dann man partizipiert am Gewinn- und Unternehenswert.

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