An mich herangetragene, kuriose Geschäftsideen

Wenn sich herumspricht, dass man erfolgreich ein Internetunternehmen gestartet hat, dann gibt es natürlich auch Menschen, die einen um Rat fragen. Das ist auch in Ordnung so. Wenn ich nicht bereit wäre, Erfahrungen weiterzugeben, dann würde es diesen Blog gar nicht geben.

So kommt es also vor, dass ich per E-Mail oder Chat z.T. kuriose Geschäftsideen analysiere und bewerte. Dabei versuche ich auch bei den kuriosesten immer erst einmal nachzufragen, was überhaupt an Wissen und Erfahrung vorhanden ist.

Autoverkaufsplattform mit den häufigsten Fehlern

Eine herangetragene Idee war der Aufbau einer Webplattform über die sowohl Neu- als auch Gebrauchtfahrzeuge angeboten werden.

  1. Frage: Gibt es das nicht schon?

Mit dieser Frage will ich wissen, ob derjenige sich über die Konkurrenzsituation bewusst ist. Manch wissen das erst gar nicht und glauben, eine Innovation im Gepäck zu haben. Nehmen wir einmal an, er weiß es.

2. Frage: Was ist so anders an deiner Plattform?

Im Fachjargon frage ich hier nach dem USP (Unique Selling Proposition), also nach dem, was die Plattform gegenüber den anderen auszeichnet. Ohne einen Mehrwert wird kaum einer von der bekannten Plattform A zur neuen Plattform B wechseln.

Die Antwort: Es soll gleich mit dem Fahrzeug auch seine Kinderkrankheiten und häufigsten Fehler aufgelistet werden.

Hmm… hier hat der Kollege zwar an den Mehrwert für den Kunden gedacht. Aber nicht an seinen Geldbeutel. Ein Gründer muss in gleichen Maßen kunden- als auch unternehmensorientiert denken.

MotivationsWenn ich nun einen Fiat bewerbe und gleich darunter schreibe, wie viele Fehler so ein Fiat aufweist, dann werde ich mit Sicherheit keine Autos über meine Plattform verkaufen und ergo keine Provision verdienen. Ein zum Scheitern verurteiltes Projekt!

Natürlich wissen auch Käufer von Autos, dass diese fehleranfällig sein können. Aber haben Sie je einen Autohändler gesehen, der ihnen die Kinderkrankheiten seiner Modelle auflistet? Es hat also etwas mit Verkaufspsychologie zu tun.

Das neue WhatsApp

An einem anderen Beispiel möchte ich andere Fragen vorstellen.

AppKürzlich wurde ich gefragt, wie es denn wäre, wenn man ein Konkurrenzprodukt zu WhatsApp entwicklen würde. Grundsätzlich eine gute Idee, zumal WhatsApp derzeit aufgrund des Datenschutzes in der Kritik ist. Aber

1. Frage: Wie willst du damit Geld verdienen?

Was gründungsinteressierte Menschen manchmal vergessen, ist die Monetarisierung eines Projektes. D.h. wie willst du Geld verdienen mit deiner Idee?

Antwort: WhatsApp ist im ersten Jahr kostenlos. Danach 0,89 € pro Jahr.

Hmm… hier sehe ich zwei konkrete Probleme:

  1. Ich nutze länger als ein Jahr WhatsApp und habe dafür noch nie bezahlt.
  2. Versucht man hier noch ein Produkt zu kopieren. Das machen zwar die Samwer-Brüder und sind damit auch erfolgreich. Die haben aber auch die nötigen Milliönchen dafür.

Das Thema „Monetarisierung“ muss also gut durchdacht werden. Ohne Moos nix los.

2. Frage: Wen hast du im Team?

Von außen mag es so erscheinen, als steckte hinter Apps wie WhatsApp nicht viel. Der Grund jedoch, warum sich diese App gegenüber anderen Instant Messaging Apps durchgesetzt hat, ist die Schnelligkeit mit der Nachrichten ankommen. Dazu gehört viel mehr als einem Programmierer zu sagen: Es soll Nachricht von A nach B verschickt werden.

Wer solch ein Vorhaben ernsthaft angehen möchte, der braucht einen wenn nicht mehrere technisch-versierte Teamkollegen. Nerds, denen es Spaß macht, an einem Produkt weiterzuarbeiten.

Antwort: Die erfahrenen Leue habe ich leider nicht. Ich dachte, ich könnte der Investor sein und du könntest es machen.

Tja, wenn das so einfach wäre. Hier ergeben sich erneut zwei Probleme:

  1. Geld haben bedeutet nicht, alles zu bekommen, was an sich vorstellt. Ein Kumpel von mir „baut“ seit 3 Jahren an einer Plattform. Zuverlässige Leute sind schwer zu finden. Vor allem dann nicht, wenn sie nicht unmittelbar mit im Büro sitzen.
  2. WhatsApp wurde kürzlich für 19 Milliarden von Facebook gekauft. Jetzt sind zwei Szenarien möglich: Facebook arbeitet weiter an WA und baut seine Weltherrschaft aus oder lässt WA langsam absterben und baut dafür seinen Messenger aus. Erste WA-Störungen sind bereits im Netz.

Sollte der erste Fall eintreten, kann man ein Konkurrenzprodukt eh vergessen.

Fazit zu Geschäftsideen

Meine Empfehlung an Gründungsinteressierte ist, sich einmal hinzusetzen und niederzuschreiben, was man eigentlich selbst alles kann. D.h. welche Erfahrungen und welches Know-how bringt man selber mit. Hiernach sollte man nach Leuten in seiner Umgebung umsehen, die einen hinsichtlich der Kompetenz ergänzen.

Das bedeutet: Bist du ein Kaufmann, suche dir einen Techniker und umgekehrt. Wenn die Kernkompetenz im Team selbst ist, hat eine Geschäftsidee die größten Chancen auf Erfolg.

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