Interview mit Ali Yildirim von CoboCards über die Trends im Mobile Markt

Eine Masterstudentin befragte mich kürzlich zu den Themen E-Learning, mobile Apps, Trends der Zukunft und die Rolle der Verlage in dieser Entwicklung. Hier sind die Antworten unseres Interviews.

Erzählen Sie doch bitte zunächst einmal kurz wer Sie sind und was Sie machen.

ali_yildirimIch bin Ali Yildirim, Jahrgang 1978, Gründer und Geschäftsführer der CoboCards GmbH. CoboCards ist eine Microlearning-Plattform im Internet mit zusätzlichen mobilen Apps für iPhone und Android. Unter Microlearning können die wenigsten etwas anfangen. Wenn ich hingegen Karteikarten App sage, dann eher schon.

Erläutern Sie mir bitte das Geschäftsmodell der CoboCards App.

Das Geschäftsmodell ist SaaS oder ausgesprochen Software as a Service. D.h. wir vermieten unsere Software für ein, drei oder sechs Monate.

Welches Erlösmodell steht hinter der App?

Das Erlösmodell nennt sich Freemium. Man bietet eine eingeschränkte und nicht so funktionsreiche Free-Version und eine ungeschränkte Pro-Version mit allen Funktionalitäten. Die Smartphone Apps sind kostenlos herunterladbar, basieren aber auch auf dem Freemium-Modell. Zusätzlich erzielen wir Erlöse durch den Verkauf von Verlagskarten und ein wenig durch Werbung.

Wie beschreiben Sie Ihre Zielgruppe?

Unsere Zielgruppe besteht aus allen Menschen, die lernen und ggf. eine Prüfung bestehen und sich optimal hierauf vorbereiten wollen. Das fängt beim Schüler an, geht über den Azubi, Studenten, angehenden Fachwirten bis hin zum Lifelong-Learner.

 Wen sehen Sie als Wettbewerber (in Bezug auf Ihre App)?

Die Konkurrenz im engeren Sinne sind andere Karteikarten Apps. Im weiteren Sinne andere Lernplattformen bis hin zu Verlagen, die selbst Lernkarten auf Papier anbieten.

Ich entwickle ein Geschäftsmodell für eine App eines Fachverlags, das Erlöse im Mobile Bereich erwirtschaften soll. Was gehört Ihrer Meinung nach zu einem erfolgreichen App-Geschäftsmodell?

Eine App – sowohl für den Browser als auch für das Smartphone muss einfach und intuitiv nutzbar sein. Gerade die jüngere Bevölkerung ist sehr ungeduldig. Die App sollte nicht erst „erlernt“ werden. Wer zu seiner App noch eine Bedienungsanleitung erstellen muss, sollte es gleich sein lassen. Außerdem muss die App einfach zugänglich sein. CoboCards kann man nur durch Eingabe einer E-Mail Adresse nutzen. Aber auch ohne sollte eine App nutzbar gemacht werden.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach ein erfolgreiches App-Erlösmodell aus?

Das kommt ganz auf die Produkte und auf die Zielgruppe an. Unsere Zielgruppe (meist Studenten) steht z.B. nicht auf Werbung. Andere Zielgruppen (wie z.B. Schüler) könnten Werbung hinnehmen, solange die App kostenlos ist. Wenn man das Erlösmodell „Werbung“ jedoch auswählt, dann sollte man auch die App „für“ den Werbetreibenden entwickeln, d.h. Werbung am besten so platzieren, dass sie auffällt, ja schon fast nervt. So lassen sich zwar Umsätze erzielen, aber auch Kunden verlieren.

Wenn Sie Content anbieten möchten, dann könnte man das Modell Pay per Content anbieten. Entweder in einem Abonnement oder pro Artikel.

Oder Sie nehmen das Freemium-Modell, in dem sie einige Funktionen freigeben und andere wiederum nicht.

Welche Chancen und Potenziale eröffnen sich Unternehmen (Verlagen) durch Apps bzw. durch den Eintritt in den Mobile Markt?

Sehr große, denn der Trend geht immer weiter zum mobilen Nutzung des Internets. Verlage habe es m.E. ein wenig verschlafen. Das liegt daran, dass Verlage wenig innovativ sind. Das ist erst einmal nicht das Problem. Sie verschlafen jedoch auch sinnvolle Kooperationen einzugehen.

Welchen Herausforderungen müssen sich Unternehmen (Verlage) durch Apps bzw. durch den Eintritt in den Mobile Markt stellen? (Unternehmensintern/-extern)

Die erste Herausforderung ist, dass man nicht nur eine mobile App entwickelt und damit hat es sich. Die App muss ständig weiterentwickelt werden. Nicht nur, weil neuere Smartphones, Tablets und Betriebssysteme auf den Markt kommen, Auch weil sich Kunden immer wieder neue Funktionen wünschen. Da macht es Sinn, unternehmensintern für entsprechende Mitarbeiter zu sorgen, die auch den Support übernehmen oder sich mit einem externen Unternehmen zu einigen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung von Content in (Verlags-)Apps ein? Reicht Content aus, oder müssen Verlage über Inhalte hinaus denken? Sollten innovative Apps auch innovative Services/Lösungen bieten?

Content ist King. So heißt es weiterhin. Und das stimmt auch. Nur reicht Content alleine nicht mehr aus. Verlage müssen Möglichkeiten anbieten, den Content auch weiter zu verwenden. Content muss abgespeichert, geteilt, verinnerlicht werden. Sinnvolle Verknüpfungen sind daher notwendig, die die Zielgruppe ansprechen, ihre Bedürfnisse decken.

Wie kann ein Unternehmen (Verlag) eine Mobile Strategie in das Unternehmen integrieren und welche Hürden stehen bevor?

Ich bezweifle, dass Verlage in der heutigen Zeit und in der heutigen Aufstellung, langfristig eine Mobile Strategie integrieren werden können. Dazu fehlt einfach das Know-how. Es gibt Verlage, die Apps für viel Geld entwickeln lassen, nur um ihr Logo im AppStore zu sehen. Das ist natürlich keine Strategie. Langfristig können sie das nur schaffen, wenn sie speziell hierfür ausgebildete Mitarbeiter haben. Ich habe mit vielen Verlagsmitarbeitern schon gesprochen. Die meisten haben noch das Wissen vom letzten Jahrhundert.

Können Sie mir noch eine Einschätzung zur Bedeutung des Mobile Markts für Unternehmen allgemein geben? Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, das Unternehmen (Verlage) hier aktiv werden?

Wenn Sie sich den MMB Trendmonitor der letzten Jahre einmal anschauen, dann liegt das Mobile Learning immer auf den ersten drei Plätzen. So sehen es die Experten. Für Verlage stellt sich nicht mehr die Frage nach dem ob oder ob nicht, sondern „wann?“ und „wie?“. Ich empfehle Verlagen daher so schnell wie möglich sich Gedanken über den mobilen Markt zu machen und entsprechende Schritte einzuleiten.

In Bezug auf diese Services – welche App-Features sind Ihrer Meinung nach sozusagen im Trend? Oder worauf kann man in Zukunft nicht verzichten? (z.B. Location Based, Augmented Reality, Social Networking, …)

Das kommt ganz auf den Service an, den man anbieten will. Für Verlage, die täglich informieren, ist sicherlich das schnelle Abspeichern und Teilen von Informationen wichtig. Hier müssen Social Networks integriert werden. Für Services, die z.B. auf der Werbefinanzierung basieren, sind Location Bases Services wichtig, um den Kunden gleich an die richtige Quelle weiterzuleiten.

Darf ich Sie abschließend noch um Ihre Einschätzung bezüglich der Zukunft des Mobile Marktes bitten? Was glauben Sie, wie wird sich dieser Sektor in Zukunft entwickeln wird?

Es werden viel mehr Geräte auf den Markt kommen, mit denen Menschen mobil konsumieren können. Geräte, die wir bisher noch nicht kennen oder noch nicht für mobile Dienste genutzt haben. Brillen oder Uhren sind beispielsweise schon in der Mache.

Welche App ist derzeit Ihre Lieblings-App? Haben Sie noch einen Tipp: welche App ist gerade im Trend/besonders innovativ/toll/einzigartig?

Neben unserer eigenen App CoboCards nutze ich sehr geren Zoho Invoice für das schnelle Erstellen und Versenden von Rechnungen und Camscanner zum schnellen Einscannen und Versenden von Papierdokumenten.

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