Fehlende Kundenorientierung beim Designer kostet Projekt

Wenn man 100 freiberufliche Designer fragen würde, ob sie denn kundenorientiert arbeiten, würden wohl 95 sofort mit „Ja“ antworten. Dabei wissen meines Erachtens viele gar nicht so richtig, was Kundenorientierung eigentlich so richtig bedeutet.

Kundenorietierung per Definitonem

Laut Wikipedia wird der Begriff Kundenorientierung wie folgt definiert:

Unter Kundenorientierung werden in der Betriebswirtschaftslehre die Anteile einer Prozessorientierung und Marketingausrichtung verstanden, mit Hilfe derer die Abhängigkeit der Unternehmen vom Kunden in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen gestellt wird.

Entscheidend ist hier eigentlich der letzte Teil des Satzes: Der Kunde steht im Mittelpunkt meines Handelns als Designer. Nicht meine künstlerischen Vorstellungen. Natürlich bedeutet dies nicht, dass der Designer keine eigenen Ideen einbringen darf. Ganz im Gegenteil. Unternehmer wünschen sich sogar Mitarbeiter, die mitdenken. Das bedeutet lediglich, dass wenn es hart auf hart kommt und der Kunde ein gelbes statt ein blaues Auto wünscht, er auch ein gelbes Auto erhält.

An einem Beispielen aus meiner eigener Erfahrung als Unternehmer möchte ich dies näherbringen.

Beispiel: Ich bin Designer, ich habe Attitüden

Vor ca. einem Jahr benötigte ich einen Designer für das Re-Design unserer Webseite. Unser Kollege und mein Mitgründer (ebenfalls Designer) empfahl mir einen jungen Mann aus Indien. Ich bin bei externen Mitarbeitern aus dem Ausland immer ein wenig vorsichtig, wie ich auch in meinem Artikel „Erfahrung mit indischen Entwicklern“ geschrieben habe. Es liegt einfach an der unterschiedlichen Einstellung zum Business, an der Qualität und am eben erwähnten Mitdenken.

Mir wurde aber zugesichert, dass dieser ein Praktikumin der Schweiz absolviert hätte und wisse „wie hier in Europa der Hase laufen“ würde. Ein Designer kann einen anderen Designer wohl am besten beurteilen.

Nach einigen E-Mails verabredeten wir uns für ein Telefonat über das Internet. In diesem fragte ich ihn u.a. über seinen Preis. 10 € / Stunde wolllte er haben. Ich habe über den Preis nicht diskutiert. Sicherlich kann man in Indien günstigere Designer finden. Mir ging es aber vor allem um ein vernünftiges Design.

Hiernach gab ich dem Designer unmissverständlich die Strategie der neuen Webseite vor. Außerdem noch einige Ideen, aus denen er dann doch bitte eine Strichzeichnung (Wireframe) anfertigen sollte.

Fehler Nr. 1

Nachdem wir mehrfach gemailt und einmal telefoniert hatten, und ich die bevorstehende Aufgabe sowohl schriftlich als auch mündlich darbrachte, meldete sich der Designer kurze Zeit später und meinte, dass sein Marktwert jetzt doch bei 20 e / Stunde liegen würde.

Hmm.. was war nach unserem Telefonat passiert? Hatte er innerhalb eines Tages eine weitere Qualifikation erworben, die einen Preisanstieg von 100% rechtfertigte? Sicherlich nicht. Hatte er ausreichend Zeit, seinen Preis festzulegen? Definitiv.

Hier mangelt es ganz klar an Kundenorientierung beim Designer. Er fragt sich nicht, wie seine plötzliche Preiserhöhung beim Kunden angekommen könnte. Er hätte das Projekt, welches er nötig hatte, verlieren können. Ich antwortete ihm, dass er das erste Projekt für den abgesprochenen Preis (10 €) machen sollte. Wenn ich zufrieden wäre, könnte man über einen neuen Preis verhandeln.

Fehler Nr. 2

Kurze Zeit später erhielt ich die besagte Strichzeichnung. Ich war überrascht, dass meine Vorgaben eigentlich so gar nicht berücksichtigt wurden. Ziemlich zentral wurde auf der Seite eine Begriffsdefinition meines Produkts platziert, da man der Meinung war, dass man gerade potenziellen indischen Nutzern erklären müsse, was das Produkt eigentlich sei.

Ich erklärte ihm, dass meine Zielmärkte Deutschland, die Schweiz, Österreich und die USA wären und dass dort sehr wohl jeder wissen würde, was das Produkt ist.

Des Weiteren wurde, obwohl ich es absolut nicht wollte, der Preis des Produktes direkt auf der Startseite veröffentlicht. Auf die Gründe möchte ich jetzt nicht näher eingehen. Es hat etwas mit Verweildauer und Absprungrate zu nutzen. Ich bat den Designer doch bitte eine Version nach meinen Wünschen zu machen. Gerne wäre ich bereit, seine Idee zu splittesten.

Die Antwort hierauf war: „Wenn ich kein Wert auf seine Meinung als Designer legen würde, dann könne man die Sache gleich beenden!“

Die Konsequenz aus der fehlenden Kundenorientierung beim Designer war, dass ich sofort den Vertrag mit ihm auflöste.

Fazit

Designer und andere künstlerisch tätigen Menschen fehlt es oft an Verständnis für Business. Sie denken oft nicht über den Tellerrand hinaus. Dabei ist es gerade für freiberufliche Designer nicht einfach, erste Kunden zu finden. In künstlerischen Berufen muss man schon sehr gut sein, um die richtig guten Jobs zu ergattern. Dabei sollte man gerade am Anfang seiner Karriere viel wert auf Kundenorientierung legen. Mit der Zeit werden Kunden mehr und mehr Vertrauen in die Arbeit des Designers legen. Vor allem dann, wenn er nicht nur designed, sondern auch die Philosophie des Unternehmens verstanden hat.

Bildquelle: Copyright (c) 123RF Stock Photos

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