Reaktion auf den ALGEL Artikel – Wie mit Kritik umgehen?

Gestern habe ich einen Artikel zum neuen Einkaufsservice ALGEL verfasst. Wer ihn nicht mitbekommen hat, kann ihn hier nachlesen. Wer keine Lust darauf hat, hier eine kurze Zusammenfassung.

Ich hatte geschrieben, dass ich auf den Dienst eigentlich sehnsüchtig warte, selbst aber aufgrund des verzinsten Nachrangdarlehens als Muslim nicht investieren kann und auch das Vorgehen insgesamt mit dem Crowndfunding als nicht lukrativ genug ansehe.

Die Reaktion

Mein Artikel hat einem der Gründer offensichtlich nicht geschmeckt. Ich erhielt eine Reaktion per E-Mail und über Xing. Die Überschrift lautete:

Es wundert mich nicht, dass dein Block unbekannt ist…

Nun, mein Block ist tatsächlich unbekannt. Mein Blog hingegen kommt auf ca. 5.000 Besucher im Monat. Ich will auch hier keine Verbalschlacht auslösen. Offensichtlich fühlte sich der Kollege angegriffen. Ich möchte hier auf einen anderen Punkt hinaus und das ist die Tatsache, dass Emotionen in der Businesswelt unter Kontrolle zu halten sind.

Leider sind wir Südländer oftmals zu temperamentvoll. Wir handeln erst und denken erst danach. Ich bin da sicherlich nicht vollkomen davon befreit, versuche aber nicht gleich emotional zu reagieren.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mit Rat und Tat gerade Migranten zur Seite stehen. Ich habe vielen Bekannten und auch Unbekannten meine Erfahrung weitergegeben. Sei es persönlich oder über diesen Blog. Den Vorwurf des Kollegen „neidisch“ zu sein oder ihnen keinen Erfolg zu gönnen, musste ich scharf zurückweisen. Ich gebe z.T. in stundenlangen Gesprächen mein bescheidenes Wissen weiter. Die Tatsache, dass ich oft nach diesem gefragt werde, zeigt mir, dass ich den Leuten das Gefühl gebe, ehrlich und offen auf Fragen zu antworten.

Wie Start-Ups auf Kritik reagieren müssen

Als wir unser Start-Up gegründet haben, haben selbst unsere Familien nicht an das Vorhaben geglaubt. Andere haben uns vielleicht innerlich belächelt. Fakt ist, dass das Unternehmen seit nunmehr sechs Jahren auf eigenen Beinen steht. Andere, vielversprechendere Projekte sind bereits gescheitert.

Auch ich musste anfangs lernen, mit Kritik umzugehen. Es gab Leute, die über Kritik übten. Manchmal sogar harsche Kritik. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen:

  1. Contra geben, Kritik zurückweisen und ja auch ein wenig beleidigt sein
  2. Ernst nehmen, bedanken, nachfragen, Kritikpunkte eliminieren

Der erste Weg ist sicherlich der falsche Weg, so dass ich jungen Gründern gleich von Anfang an empfehle, es richtig zu tun. Ihr müsst nicht die Fehler machen, die wir gemacht haben.

Die bessere Reaktion

Statt beleidigt zu sein und dann emotional eine E-Mail zu schreiben, sollte man stets einen Tag verstreichen lassen. Ein türkisches Sprichwort sagt:

Wer mit Wut aufsteht, setzt sich mit Verlust hin

Wenn wir damals auf kritische Meinungen gestoßen bin, habe wir uns erst einmal bedankt. Auch ich musste das erst von meinem Kollegen lernen. Dann haben wir gefragt, wie wir es besser machen können. Glaubt mir, die Reaktionen sind sehr positiv, weil die Leute es zunächst einmal nicht erwarten.

Sie erwarten eher die Contra-Einstellung, die Verteidigung des eigenen Produkts. Kritiker wollen ernst genommen werden. Der Vorteil für dich als Jungunternehmer ist, dass du ehrliches Feedback bekommst. Vielleicht mehr als du zunächst erwartet hast. Denn Menschen, die sich ärgern oder etwas nicht gut finden, gibt es viele. Aber die, die dann noch das Maul aufreißen, sich also hinsetzen und eine Mail verfassen, sind rar. Daher erst einmal bedanken, dass er überhaupt Zeit für dich geopfert hat.

Wenn man dann noch die Kritik eliminiert und dies auch z.B. in den Kommentaren des Blogs bekannt gibt, dann sorgt dies sogar für Begeisterung. Schau, die haben meine Kritik ernst genommen. Ich habe etwas zur Entwicklung des Produkts beigetragen. Wir haben diese Leute sogar namentlich im Blog erwähnt.

ALGEL-Artikel angepasst

In einem Punkt habe ich dem Jungunternehmer Recht gegeben und den Artikel dementsprechend angepasst. Wäre die Mail etwas freundlicher ausgefallen, hätte ich sogar weitere Änderungen vornehmen können. Freundlichkeit schadet in den seltesten Fällen.

Ich gönne den Kolleen ihren Erfolg, sehe aber auch, dass das Crowdfunding seit 2-3 Tagen bei 2.000 € vor sich hindümpelt. Das wird so nichts mit dem Ziel, 25.000 € zu raisen. Aber gut, die Macher scheinen sich ihrer Sache sicher zu sein.

Letzter Rat: Junge Leute glauben oft, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Sie sind hipp, sie sind cool, sie haben eine geile Idee. Ich berate mich immer noch mit anderen Menschen. Selbst bei Kleinigkeiten. Ihr solltet es am besten auch tun.

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