Steuerliche Verpflichtungen für Online-Gründer

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von www.wirtschaft-und-finanzen.net

Online-Gründer müssen als Gewerbetreibende ein Gewerbe anmelden, als Freiberufler brauchen sie das nicht zu machen. Gleichzeitig melden sie ihrem zuständigen Finanzamt die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit. Die Schritte lassen sich vereinfachen, denn das Gewerbeamt übernimmt diese Meldung – auch wenn kein Gewerbe besteht, sondern der Selbstständige nach juristischer Definition Freiberufler ist und daher auch keine Gewerbesteuer zahlt.

Gewerbeanmeldung und Meldung an das Finanzamt

Der juristische Unterschied zwischen einem Gewerbe und einer freiberuflichen Tätigkeit erschließt sich dem Selbstständigen nicht so ohne Weiteres. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, meldet seinem Gewerbeamt die aufgenommene Tätigkeit und beschreibt sie sehr genau. Das Gewerbeamt legt dann fest, ob es sich um ein Gewerbe handelt. Das hat zur Konsequenz, dass der Selbstständige künftig Gewerbesteuer nach dem Hebesatz seiner Kommune zu zahlen hat. Das Gewerbeamt – alternativ das Ordnungs- oder Bürgermeisteramt – übernimmt auch automatisch die Meldung an das Finanzamt, das dem Steuerpflichtigen eine Steuernummer zuteilt. Gewerbebetriebe sind in der Regel durch hohe Investitionen und Umsätze gekennzeichnet, die bei vielen Freiberuflern nicht zu verzeichnen sind. Im Online-Bereich sind Online-Shops und sicher auch Affiliates mit hohen Werbeausgaben Gewerbetreibende, Online-Autoren, freiberufliche Programmierer und Webdesigner hingegen zählen zu den Freiberuflern. Sie zahlen keine Gewerbesteuer, erzielen oft geringere Umsätze, haben aber vielfach auch nur sehr geringe Kosten. Die niedrigeren Umsätze können dazu führen, dass sie wenigstens im ersten Jahr ihrer Tätigkeit auch von der Umsatzsteuer befreit werden. Diese Umsatzsteuer wiederum – ebenfalls wichtig für Online-Freiberufler – beträgt vielfach nur sieben und nicht 19 %. Das wiederum legt in einigen Fällen der Auftraggeber fest, dessen zuständiges Finanzamt den Steuersatz entgegen landläufigen Spielregeln auf 19 statt sieben Prozent festsetzen kann, wie es bei einigen Textagenturen der Fall ist (deren Autoren eigentlich dem Steuersatz von sieben Prozent unterliegen müssten). Das Gespräch mit dem Gewerbeamt und dem Finanzamt ist für den online tätigen Selbstständigen in jedem Fall hilfreich.

Laufende steuerliche Verpflichtungen: Umsatzsteuer

Nachdem das Finanzamt von dem Beginn der selbstständigen Tätigkeit erfahren hat, schickt es dem Steuerpflichtigen einen Fragebogen zu. Dieser ist künftig gegebenenfalls gewerbesteuerpflichtig, zahlt Einkommens- und Umsatzsteuer, Letztere aber nur bei einem Jahresumsatz über 17.500 Euro. Maßgebend ist der Vorjahresumsatz. Im ersten Jahr kann sich also der Selbstständige, wenn solche Umsätze nicht zu erwarten sind, von der Umsatzsteuer nach § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung) von der Umsatzsteuer befreien lassen, darf sie dann aber auch von seinen Kunden nicht vereinnahmen und kann sie bei seinen eigenen Kosten nicht geltend machen. Der § 19 UStG ist eine Kann-Bestimmung. Wer glaubt, dass er die Grenze überschreiten wird (es geht um den Umsatz, nicht um den Gewinn!), wer außerdem hohe Kosten hat und die Mehrwertsteuer absetzen möchte, sollte auf diese Regelung verzichten. Die Umsatzsteuer ist ohnehin ein Durchlaufposten. In den ersten zwei Jahren ist monatlich die Umsatzsteuervoranmeldung einzureichen, danach entscheidet das Finanzamt über den Turnus. Wurden im Vorjahr weniger als 1.000 Euro Umsatzsteuer gezahlt, entfällt die Umsatzsteuervoranmeldung ganz (die Umsatzsteuer-Zahllast muss dann angespart werden!), zwischen 1.000 – 7.500 Euro erfolgt eine vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung, bei höherer Zahllast eine monatliche Voranmeldung. Diese ist via ELSTER elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln – immer bis zum 10. des Folgemonats (bei vierteljährlicher Zahllast bis zum 10. Januar / April / Juli / Oktober).

Jährlichen Steuererklärungen: Einkommens- und Gewerbesteuer

Für die Einkommens- und Gewerbesteuer (Letztere nur bei Festlegung) erfolgt eine jährliche Erklärung. Das Finanzamt wird regelmäßig eine Einkommensteuervorauszahlung zum 10. März /Juni / September / Dezember festsetzen, Gewerbesteuervorauszahlungen können – müssen nicht – zum 15. Februar / Mai / August und November fällig werden. Sie gehen an die Kommune. Der Termin für die Abgabe der jährlichen Steuererklärungen ist der 31. Mai im folgenden Jahr. Es gibt für die Einkommens- und Umsatzsteuer die Möglichkeit der Dauerfristverlängerung, die beim Finanzamt beantragt werden kann

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