Wie sich Organisationen und Personen größer machen als sie sind

In den letzten Wochen habe ich erfahren müssen, wie Organisationen und Personen sich künstlich größer machen als sie tatsächlich sind.

Ich versuche mich derzeit als Gründer eines Sozialunternehmens. Ich kenne mich nicht so gut auf dem Gebiet aus. Daher bin ich auf kompetente Leute angewiesen, die Idee und Umsetzbarkeit beurteilen können.

In dem Zusammenhang fiel immer wieder der Name eines Sozialunternehmers. Aus mehreren Ecken. Ich bat einen dieser Personen, mich doch einmal ihm vorzustellen.

Mehr Schein als Sein

Ich schaute mir das Xing-Profil dieser Person nach der Einführung an. „Ein offenes Ohr“ bot er an. Das hört sich doch gut an, dachte ich.

Meine Kontaktanfrage wurde bestätigt, auf meinen Hinweis, dass ich dieses offene Ohr gerne einmal in Anspruch nehmen wollte, wurde nicht reagiert. Auch meinem späteren Anruf wurde nicht entsprochen. So so… so sieht also ein offenes Ohr aus. Davon habe ich mehrere.

Kontakt per E-Mail

Meinen E-Mails wurde jedoch schon Beachtung geschenkt. Das muss ich zugute halten. Meine Projektidee wurde als „gut“ bewertet und nach dem Geschäftsmodell gefragt.

Da es sich um eine Vermittlungsplattform handelt, teilte ich mit, dass entweder die Anbieter-, die Nachfrager- oder gleich beide Seiten für die Vermittlung zahlen sollten.

Antwort: Ich (als Betroffener) würde nicht dafür zahlen.

Gut, dann also die Anbieterseite.

Antwort: Die Anbieterseite sollte auf keinen Fall belastet werden.

Hmm.. daraus folgerte ich zwei Sachen:

  1. Es gibt eigentlich gar keinen Bedarf für den Dienst. Dann verstehe ich aber nicht, warum die Idee gut ist.
  2. Die Idee ist zwar gut, aber im Netz sollte grundsätzlich alles kostenlos sein.

Leider waren die Antworten recht kurz. Der „Experte“ beschränkte sich auf 1-2 Sätze in seiner Antwort. Ich weiß nicht, ob ein offenes Ohr gleich so ein divenhaftes Verhalten mit sich bringt. „Mach‘ dich rar, sei ein Star“-Prinzip.

Am Ende hieß es, ich solle andere Finanzierungsformen in Erwägung ziehen. Werbung, Sponsoren, Spenden.

Hmm.. dachte ich, wieder keine qualifizierte Antwort des Experten. Ein soziales Unternehmen, dass sich werbefinanziert, muss praktisch nach den Wünschen der Werbetreibenden programmieren. D.h. möglichst auffällige Werbung. Am besten Pop-Ups.

Dem Kollegen ist wohl nicht bewusst, wie nervig Werbung sein kann, gerade wenn sich der Dienst an ältere und mobilitätsbeschränkte Menschen richtet.

Sponsoren und Spenden sind ja toll, aber erstens wimmelt es nicht gerade vor Sponsoren und zweitens sind Spenden keine planungssichere Finanzierungsquelle. Schließlich sollen mit dem Projekt nicht nur die Hostingkosten gedeckt werden, sondern ein funktionierendes Unternehmen aufgebaut werden.

Fazit

Auch wenn mich meine Leute in den Himmel loben, weiß ich, was ich kann und was nicht. Es gilt auf dem Teppich zu bleiben.

Derzeit merke ich, dass sich andere größer geben als sie tatsächlich sind. Und da interessiert es auch nicht, dass man zahlreiche Auszeichnungen besitzt. Ich sehe selbst, wie in diesem Programm eine Hand die andere wäscht.

Mein Rat an alle zukünftigen Gründer: Immer schön den Ball flach halten! Ihr habt noch nicht die Welt gerettet, nur weil ihr ein paar tolle Ideen oder Auszeichnungen gewonnen habt. Die haben nämlich auch schon andere.

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